Die deutschen TOs auf einem Gruppenbild
Alle anwesenden TOs des Summit #1 2019 (Foto: Raphy)

Ein absolutes Novum: Die deutsche Szene zieht gemeinsam an einem Strang. Der Summit 2019 brachte TOs aus ganz Deutschland im Nürnberger Pellerhaus zusammen. Die Teilnehmer ließen die Vergangenheit auf sich beruhen, scheuten keine Mühen und Wege und arbeiteten gemeinsam auf einem noch nie dagewesenen Event für die deutsche Szene. Dort wurde einen ganzen Tag über deren Zukunft gesprochen. Was genau diese Zukunft bestimmen wird ist anschließend für euch zusammengestellt:

Am 20. Juli 2019 fanden sich 12 Turnierorganisatoren aus ganz Deutschland im Nürnberger Pellerhaus ein um über die wichtigsten Themen bezüglich der Deutschen Smash Community zu unterhalten und Informationen auszutauschen.

Anwesende Turnierorganisatoren:

Wizrad & FrappyChocolate (UniSmash in Frankfurt, Hessen)
Kunai Kazekun (AGON in Neuss, NRW)
Konneh (Ultimate Mayhem in Stuttgart, Baden-Württemberg)
DonTobi (Munich Smash Academia in München, Bayern)
Balor & Nohman (Salt Smash City in Leipzig, Sachsen)
Kuber (VirtuaSmash in Braunschweig, Niedersachsen)
Svennet (Leiter des Smash Bros. Germany Discord)
SwU (TCLs Calyptus Cup in Essen, NRW)
V3N & Overhaul (HTS Ultimate in Nürnberg, Bayern)

Das 12-stündige Meeting wurde in mehrere Workshops und Gruppendiskussionen unterteilt, in denen vor allem Themen wie Qualitätsstandards auf Turnieren, Prioritäten, Zusammenarbeit untereinander, Problemlösungen und zukünftige Projekte behandelt wurden.

Workshop – Turniere und Community

Zu Beginn der Versammlung wurden in kleineren Gruppen Listen erstellt, auf denen festgehalten wurde, was ein erfolgreiches Turnier ausmachen soll. Nach einigen Stunden kamen die Gruppen zusammen und verglichen ihre Ideen miteinander. Für die meisten war sofort klar, dass im besten Fall ein reibungsloser Ablauf gewährleistet sein sollte. Das bedeutet, es wird verstärkt Wert auf geringe Wartezeiten zwischen den Matches und auf klare Anmeldefristen & Uhrzeiten gelegt. Umso wichtiger ist es dann natürlich sich als Teilnehmer mit den TOs zu unterhalten, falls Missverständnisse vorliegen sollten. Aufgrund dessen sollten die TOs in Zukunft leichter identifizierbar sein als zuvor. Dies fließt direkt in einen anderen Punkt, der der Gruppe besonders wichtig war: Persönliche Interaktion mit den Teilnehmern. In Zukunft werden sich die TO-Teams anstrengen, mit so vielen Teilnehmern wie möglich in Kontakt zu stehen und sie wie einen Teil der Familie zu behandeln statt wie eine Nummer im Bracket. Die Teilnehmer werden allerdings dazu angehalten konstruktive Kritik zu geben, falls Probleme vorliegen sollten.

Selbstverständlich kann das TO-Team auf größeren Veranstaltungen nicht persönlich an 300 Personen herantreten, weshalb ein weiterer Diskussionspunkt über das Thema „Tournament Experience“ aufgenommen wurde. Die Organisationsteams haben sich vorgenommen je nach Größe des Events in eine von zwei Richtungen zu schwenken. Ein Turnier mit 50 Teilnehmern strebt generell die gute „Player Experience“ an. Wohingegen ein 300+ Teilnehmer Turnier eher eSports orientiert ist, was TO-Teilnehmer Interaktion angeht. Turnierlocations mit einer stabilen Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wurden ebenfalls als zukünftiger Standard festgelegt zusätzlich zu möglichen Abkommen mit Jugendherbergen als Housing Optionen in den jeweiligen Städten. Darüber hinaus wurden Themen besprochen wie feste Freeplay-Setups, ein objektives Seeding-System, Turnierboni (Pot-Bonus, Gratis Verpflegung, Ladder, Amateurbracket und andere Side-Events) sowie das Werben für Turniere.

Im zweiten Teil der ersten Diskussionsrunde wurden vor allem aktuelle Probleme der einzelnen Organisationsteams vorgestellt und es wurde an Lösungsansätzen gearbeitet. Da es in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen mit Livestreams auf Turnieren kam, einigte sich die Gruppe auf eine handvoll Standards. Diese umfassen die Partnerschaften der einzelnen Turnierserien mit verlässlichen Stream-Teams, ein professionelles Stream-Layout auf dem die Playercam inklusive der Namen zu sehen ist und ein aus zwei Bildschirmen bestehendes Stream-Setup auf dem gespielt wird. Streams sollten, wie entschieden wurde, eine geringere Priorität haben als der reibungslose Ablauf des jeweiligen Events.

Kontroverse Themen

Eine weitere Priorität war es die Übersichtlichkeit von Pool- und Bracketphasen weiter zu erhöhen, um Verwirrung und Wartezeiten deutlich zu minimieren. Das Round Robin-System wurde ebenfalls behandelt und ist weiterhin kontrovers. Da jeder gegen jeden spielt wird das Turnier meist unnötig in die Länge gestreckt und es werden keine ausreichenden Vorteile daraus gewonnen. Ein Großteil der Gruppe wollte dem System in Zukunft aus dem Weg gehen. Ein weiteres umstrittenes Thema war das Mitbringen von alkoholischen Getränken auf Turniere. Jedes Mitglied der Gruppe hatte seine eigenen Erfahrungen mit dem Thema gemacht, manche positiv manche negativ. Aufgrund dessen entstand die Neigung den Alkoholkonsum auf zukünftigen Veranstaltungen zu regulieren. Lösungsvorschläge umfassten Ideen wie die Beschäftigung einer Person die eine „Barkeeper“ Funktion einnehmen solle oder ein allgemeines Verbot von besagten Getränken in den Turnierräumlichkeiten. Unabhängig von den oben genannten Ideen entwickelte sich in der Gruppe eine generelle Abneigung gegen das private Mitbringen von alkoholischen Getränken zu den Veranstaltungen. Gegen Ende des Blocks wurde über das Thema der minderjährigen Turnierbesucher verhandelt und beschlossen, dass eine einheitliche Vorlage für einen Elternzettel, wie in Baden-Württemberg, eingeführt werden solle. Zuletzt wurde über die Finanzierung von Turnieren in der Zukunft gesprochen, was jedoch in einem separaten Beitrag, der voraussichtlich diesen Sommer erscheinen wird, behandelt wird.

Vereinheitlichung und Standardisierung

Das Ziel der zweiten großen Diskussionsrunde war die Stärken und Schwächen der deutschen Smash Szene darzulegen, darüber zu debattieren und Verbesserungsvorschläge zu besprechen. Der erste große Kritikpunkt behandelte die Art und Weise wie sich die deutsche Szene über Social Media präsentiert. Zu den universell angenommenen Vorschlägen gehörten Ideen wie das verstärkte Werben über Twitter & Facebook, das produzieren von Aftermovies nach Turnieren, die Verwendung und Verteilung von QR-Codes für Event bzw. auf Events sowie eine zentrale Website die mit Informationen über einen Newsticker versorgt. Die Einführung von realistischen Zeitplänen wurde ebenfalls diskutiert und universell akzeptiert. Die Thema behandelte vor allem vorher unklare Punkte wie Einlass- & Startzeiten von Turnieren, variierende Akzeptanz von verspäteten Anmeldungen bzw. verspätetes Erscheinen von Teilnehmern und praktikables Setzen von Zeitpuffern für Side-Events. Im selben Zug wurden einheitliche Verhaltensregeln auf Turnieren und Konsequenzen für die, die dagegen verstoßen besprochen. Um die Verbindung zwischen TOs und Teilnehmern sowie den einzelnen Turnierserien zu stärken erklärten sich die Mitglieder der Gruppe bereit zwischen Turnieren zu reisen um mit verschiedenen Teilen der Community in Kontakt zu treten. Außerdem wurde beschlossen, dass die TOs in der Zukunft als Ansprechpartner für Housing-suchende Teilnehmer aus anderen Regionen verfügbar sein werden. Bezüglich der Online Community wurde beschlossen, Exhibition-Matches mit zufällig ausgewählten Teilnehmern anzubieten, um mehr Spielern die Möglichkeit zu geben On-Stream zu spielen.

Ein anderer Punkt behandelte das Thema der finanziellen Unterstützung schwächerer Szenen in Deutschland. Der Lösungsvorschlag der am meisten Zuspruch fand versuchte die Idee eines „5%-Pots“ einzuführen. Besagter Pot würde durch 5% der Einnahmen aus allen Turnieren des Landes gefüllt werden um dann an problematischen Stellen zum Einsatz gebracht zu werden. Ebenso wichtig war die Frage der Transparenz gegenüber der Community. Die Gruppe einigte sich schnell darauf in Zukunft vermehrt Gründe für jeweilige Handlungen an die Öffentlichkeit zu bringen. Etwa im Fall einer Venue-Fee Erhöhung oder Ähnlichem. Prioritäten waren hierbei das Aufrechterhalten von Kommunikation und Diskurs mit der Community.

Gegen Ende der Diskussionen wurde noch einmal das Thema der Vereinheitlichung aufgenommen. Die Gründung des GermanSmashCom Discords in etwa zwei Wochen, ein einheitlicher Code of Conduct sowie ein einheitliches Striking System für Communitymember wurden behandelt. Das Gespräch für eine eventuelle und einmalige zweite Chance für alle gebannten Spieler wird in der Zukunft fortgeführt. Weitere Planungsschritte beinhalten eine erhöhte weibliche Präsenz beim nächsten TO-Summit sowie das Eintreten in Verhandlungen mit der Deutschen Bahn & Flixbus um Rabatte für Turnierteilnehmer im ganzen Land auszuhandeln. Damit endete der erste TO-Summit Deutschlands.

Erwartet voraussichtlich noch diesen Sommer eine Beitrag über den Alltag, die Arbeit und die Schwierigkeiten denen sich ein TO vor, während und nach einem Turnier stellen muss. Ansonsten wünscht euch das Redaktionsteam von Beyond The Blastzone noch einen erfolgreichen Restsommer.


Kevin “Indigo_Thief” Skaba | Project HIVE Gaming e.V. Redaktion Game: Super Smash Bros. Ultimate Regelmäßige Coverage von SSBU Tournaments und allgemeiner SSBU Info in Deutschland. Indigo_Thief on Twitter: https://twitter.com/Indigo_Thief